Vom Universum voll verarscht

Meine Erkenntnis des heutigen Tages: Hey, ich kann das Wetter mit meinen Gedanken kontrollieren. Ja, Beweise werden folgen, doch dazu muss ich geschichtlich etwas ausholen… Letzte Woche war ziemlich ruhig. Die letzten Kunden verliessen Switchbacks und Bubiòn am Montag und so verbrachte ich die vergangenen Tage morgens auf meiner Ego-Tour durch den Nationalpark auf einem herrlichen Track namens «Silk Panties» – zu deutsch «Seidenes Unterhöschen» – und ja so fährt er sich auch… Müsste man Weiblichkeit in einem Track beschreiben, es wäre «Silk Panties» – fliessend, spielerisch, sanft mit ein paar wenigen aber reizvollen Ecken und Kanten… nach der täglichen Dosis «Silk Panties» widmete ich mich der Reparatur eines anderen Tracks. Harte, körperliche Arbeit ist die beste Medizin gegen Herzschmerz, so habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, in der kundenlosen Zeit sämtliche Tracks zu reparieren. Und wer die Tracks hier in Südspanien kennt – das ist eine Arbeit ohne Ende und vor allem sau anstrengend.

 

Meine von Blasen übersäten Hände und mein schmerzender Rücken dankten es mir heute also, endlich wieder mit Kunden einfach nur durch die Gegend zu fahren (sogar das Uphill-Fahren fiel mir erstaunlich leicht, ich habe nur ein bisschen gemault.) Als der Tag sogar auf «Silk Panties» startete, dachte ich mir: «Hey, das wird ein toller Tag!»

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War es auch… und dann kam DER Nachmittag.

 

Nach dem Stop in der absolut tollen Bar «La cueva de moro luna» (wäre Che Guevara noch am Leben, er würde garantiert den ganzen Tag dort drin sitzen) dachte ich mir noch: «Mua, jetzt könnten wir den Tag eigentlich beenden.» Ich fühlte mich etwas schläferig – aber nein, Mike wählte einen der technischsten Tracks der Gegend aus. Ich habe nix gegen technische Tracks, solange sie begrab gehen – Technik bergauf; da kommt das Downhill-Mädchen schnell an ihre Grenzen. Naja… kämpfte ich mich also den verblockten Trampelpfad entlang. Ich war gerade erstaunlich gut im Schuss als es «Tack» machte – ein Geräusch, das jeder Biker kennt und hasst. Gewisse Fahrradteile mögen harte Steine nicht – «Tack» hing also mein Wechsler traurig baumelnd am Schaltkabel. Da ich Trottel vergessen habe, das entsprechende Ersatzteil einzupacken (obwohl ich heute Morgen genau noch darüber sinniert hatte) hiess es: «Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt». Oh ja, ich fluchte wie ein Rohrspatz über meine Vergesslichkeit.

 

Die Gruppe verliess mich, da ich in der Nähe einer kleinen Landstrasse war auf welcher ich ins Tal runterrollen konnte – oder hätte können…

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Da ich ja ein schlaues Mädchen bin, fixierte ich den traurig baumelnden Wechsler mit Leukotape an meinem Rahmen – nicht, dass er sich beim Runterrollen im Rad verfängt, dachte ich… Gut zehn Meter weit kam ich, bis es ratterte und sich die Kette in meinem Rad verfangen hatte… Ich versuchte sie wieder aus der Kassette auszuziehen – keine Chance.. das hintere Rad liess sich nicht mehr drehen.

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Nun wurde ich wirklich wütend. Ich griff nach meinem Telefon und wollte unseren Fahrer Luki anrufen um mich zu holen – kein Empfang… und ich wurde richtig wirklich wütend. Und wer mich richtig kennt der weiss: Wenn Alexandra richtig wirklich wütend wird, dann mutiert sie zum kleinen Mädchen, wirft sich auf den Boden und fängt an zu weinen. Ich also mitten im Nirgendwo, am Start eines Tracks, mit einem Bike, das sich nicht mehr rollen liess, ohne Handyempfang, sitze heulend am Boden… fehlte nur noch, dass ich mit den Fäusten gegen den Boden gehauen hätte. Als ich mir das Bild vorstellte, musste ich über mich lachen.

 

Ich nahm das Bike auf meine Schultern und trug es den Weg hinab – und glaubt mir, bergab tragen, da blutet ein Downhillherz. Ich dachte mir noch: «Es könnte schlimmer kommen, es könnte regnen…». Als ich kurze Zeit später mein doch nicht so leichtes Enduro-Bike (kann mir kein Karbon leisten) kurz deponierte, fielen die ersten Tropfen.

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Was habe ich dem Universum heute getan? Denn in der Zwischenzeit hatte ich mich auch noch verlaufen. Da stand ich also, auf dem falschen Weg, mitten im Regen – gut immerhin hatte ich es in der Zwischenzeit endlich geschafft die Kette zu lösen und so konnte ich wenigsten etwas bergab rollen. «Naja», dachte ich mir, «es könnte schlimmer kommen. Es könnte ja ein Gewitter aufziehen»…. ach, hätte ich doch mal mit dem Denken aufgehört…!!! So rollte ich also, mitten im Wald, auf einem Berg durch ein richtig tolles Gewitter, das mir irgendwie zu folgen schien, denn egal wohin ich sonst blickte war Sonne zu sehen. «Gut, es könnte schlimmer kommen, ich könnte ja vom Blitz….» Stop! Ich hütete mich den Satz zu beenden, denn meine Gedankenkraft wurde mir langsam etwas ungeheuer. Die Situation war mittlerweile so absurd, dass ich nur noch über mich selber lachte und schon gar nicht mehr an Rettung glaubte…

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Aber oha! Das Universum schien dann doch etwas Mittleid mit mir gehabt zu haben – oder zumindest Luki, unser Fahrer. Denn mit dem Gewitter kam auch der Handyempfang zurück und mein Handy klingelte wie wild in meinem Rucksack. Ich konnte endlich meine Position bekannt geben und just in dem Moment als Blitz und Donner, gepaart mit ein paar Hagelkörnern, praktisch in Einem vom Himmel her droschen, flitzte Luki – mein Retter aus der Odyssee – endlich um die Kurve.

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Morgen werde ich das mit dem «Hey, es könnte schlimmer kommen»-Denken wohl besser sein lassen…

 

Eigentlich wäre der Text hier beendet gewesen. Aber als ich beim Speichern auf das Datum blickte fiel mir etwas auf… Und ich musste laut lachen! Jetzt weiss ich auch endlich was mir das Universum heute Nachmittag sagen wollte: «Ätsch-Bätsch Mädchen, ich weiss ganz genau, wann Freitag der 13. ist und auch wenn du den Kalender momentan ignorierst, du wirst es ebenfalls zu spüren bekommen.» Danke Universum für den Hinweis…. Und wie war euer Freitag der 13. so?

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