Liebe – oder wie aus dem Eidechslein ein Drache wird

 

Wieder einmal Nachrichten aus der westlichen Arbeiterwelt. Nachrichten, die mich zum Nachdenken anregen (gut, was regt mich momentan schon nicht zum Nachdenken an…) Meine allerliebste Freundin berichtet mir, dass sich die Eltern ihres Patenkindes scheiden lassen werden. Aha, haben wir also das Alter, in dem sich langsam die gesamte Kollegschaft verheiratet und fortpflanzt fürs Erste überwunden und tauchen nun in die Altersgruppe ein, in welcher wieder geschieden wird. Die Nachricht tat mir im Herzen weh. Nicht wegen den Eltern, die sich fortan nicht mehr als Paar sehen wollen, sondern wegen den zwei Kindern. Verstehen die armen Geschöpfe doch nicht, wieso sich Mama und Papa plötzlich nicht mehr gern haben sollen.

 

Wieso klappt denn das nicht mehr mit der Liebe? Das Wort «Lebensabschnittspartner» tönt so grauenhaft, ist aber wohl heutzutage das einzig Zutreffende. Wir sind alle frei erzogen worden. Du kannst alles erreichen wenn du willst, wird uns eingebleut. Frauen sind nicht mehr abhängig von Männern und können sich selber ernähren. Wenn uns etwas nicht passt, dann ändern wir das. Und da wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, geben wir unsere Beziehungen auch beim kleinsten Problemchen auf.

 

Wir haben wohl einfach die falsche Vorstellung von Beziehungen. Es sei einfach nicht natürlich, ja nahezu eine Illusion, sein ganzes Leben mit ein und derselben Person zu verbringen, wurde mir gesagt. Ja, vielleicht stimmt das. Aber wieso schaffen es denn doch noch vereinzelte Paare?

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Mein Glaube an die «wahre» Liebe ist mit dem Ende meiner letzten Beziehung definitiv den Bach runter. Aber trotzdem hoffe ich dummes Ding noch darauf. Darauf, dass mir eines Tage ein Mann über den Weg läuft, der bleibt und nicht einfach eines Tages das Gefühl hat, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist. Einer der schätzt was er hat. Aber da liegt wahrscheinlich der Hund begraben; die Menschen können nicht schätzen was sie haben – sie wollen immer mehr.

 

Wie gesagt, der Glaube ist dahin, die Hoffnung jedoch stirbt zuletzt. Mit der «wahren» Liebe ist es wohl wie mit den Drachen – ich glaube definitiv nicht daran, dass es Drachen in der Welt gibt. Ausser vielleicht in Game of Thrones… mitunter deswegen bin ich von der Serie so angetan und verfalle jedes Mal in ein schwärmendes Quieken, wenn die Kreaturen auf meinem Laptop erscheinen. Was mir an dieser Serie ebenfalls gefällt sind die Zugeständnisse und Schwüre, die gemacht und auch gehalten werden – wieder etwas, was in der realen Welt nicht existiert. Wie auch immer hofft ein ganz kleiner Teil von mir, dass Drachen doch existieren.

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Und wie erfreue ich mich doch jedes Mal, wenn ich auf meinen Fahrrad-Touren ein Eidechslein erblicke, dass sich just im Gebüsch vor mir versteckt. Oder der gut 40 cm grosse Leguan, der mich letzte Woche für ein paar Meter auf meinem Weg den Hügel hinauf begleitet hatte. Mit etwas Phantasie werden aus diesen zauberhaften Geschöpfen für mich kleine Drachen. Und so existieren sie doch. Und mit etwas Phantasie und ganz viel Hoffnung existiert dann vielleicht auch eine Person da draussen, für die Liebe nicht nur ein Ding ist, man konsumiert und dann in die Tonne kloppt. Glauben tu ich es nicht – aber hoffen…

 

Foto: Emma Cockburn (ja die heisst wirklich so, für alle die Englisch verstehen 🙂 )

Eidechsleintrainer: Bob Johnson (Das Training, das Tierchen zum Stillsitzen zu bringen, brauchte Jahre und tiefgreifendes Wissen in Eidechsleinspsychologie)

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