Vor lauter Spielen die Hausaufgaben nicht vergessen!

Juni und Juli sind hier bei Switchbacks ziemlich ruhig. Freute ich mich also, nach einer Woche in totaler Zweisamkeit mit meinem Fahrrad, endlich wieder Gesellschaft zu haben. Eine Woche lang wieder mit einer Gruppe radeln, nette Leute kennenlernen und Abends zusammensitzen… dachte ich. Als ich mich am Sonntagmorgen zur Tour aufmachte hingen dicke schwarze Wolken über den Tälern der Alpujarra. Hoffentlich ist das kein entsprechendes Zeichen für die kommende Woche, dachte ich noch. Ach Mädchen, seit dem vergangenen Freitag, den 13. solltest du doch gelernt haben, dass du das mit dem Denken in Kombination mit Wetter lassen solltest…!

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Ich wollte also die neuen Leute freundlich begrüssen und mich vorstellen, nur schienen die nicht wirklich daran interessiert zu sein. Einige stellten sich zwar selber vor, die anderen Namen wurden mir genannt – ein freundlicher Händedruck zur Begrüssung – falsch gedacht. Naja, müssen ja nicht alle in Begeisterungsstürme fallen, also wartete ich ab. Doch es besserte nicht. Im Gegenteil. Ich wurde ignoriert, wenn ich einmal etwas sagte wurde es still und die Gruppe änderte das Thema. Und als es gestern darum ging wo die Gruppe Nachtessen gehen wollte, wurde Michael und ein weitere Gast eingeladen, sie doch zu begleiten – ich sass daneben und mich fragte niemand.

 

Ich fühlte mich in den letzten zwei Tagen wie ein Gespenst – unsichtbar, ignoriert und deplatziert. Und ich rätselte gestern den ganzen Tag, woran es liegen könnte. Hab ich was gesagt, getan… nein… Liegt es daran dass die 7-ner Gruppe drei Frauen beinhaltet? Fürchten die alternden Löwinnen, dass dass die junge Gazelle ihre ach sooooo extrem unglaublich tollen und enormst bike-talentierten Herren ablenken könnte? Beleidige ich mit meiner auffälligen Präsenz die feine englische Gesellschaft? «Scheiss doch drauf, die sind ja bald wieder weg. Nimm das ja nicht persönlich», wurde mir gesagt. Ja das stimmt. Wie wahr! Und was mache ich Trottel? Ich suche den Fehler natürlich bei mir. Und plötzlich kommt alles wieder hoch; sofort meldet sich die böse Stimme in mir, dass ich doch weniger Essen soll, sofort stehe ich wieder selbstkritisch vor dem Spiegel und sofort überlege ich wieder alle Zelte hier abzubrechen und davonzurennen. Alte Muster, nur weil die Kinder auf dem Schulhof fies zu mir sind…?!?

 

Ich habe meine Hausaufgaben also noch nicht gelöst. Teilweise zumindest, denn immerhin habe ich das Problem erkannt… Die Theorie habe ich inzwischen gelernt. Es ist nicht wichtig, was andere über mich denken. Viel wichtiger ist, was ich von mir halte. Denn der beste Schutz gegen Angst vor Ablehnung ist eine positive Selbstachtung. Wenn man an sich selber glaubt, braucht man gar keine Anerkennung. Soweit die Theorie – bei der praktischen Umsetzung hapert es anscheinend noch gewaltig.

 

Die Woche und die Gruppe ist also alles andere als was ich mir vorgestellt und gewünscht habe. Und doch hat es etwas Gutes an sich – denn wenn du immer nur mit den coolen Kids am Spielen bist, hast du keine Zeit für die vielen Hausaufgaben. Und deswegen setze ich mich jetzt mal eine Woche hin und übe. Lächeln, hübsch machen, Feindlichkeit mit Freundlichkeit kontern und zum Abschied gibt’s eine Schachtel davon:

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2 Gedanken zu “Vor lauter Spielen die Hausaufgaben nicht vergessen!

  1. Don’t take it to heart….. Not everyone can be as friendly as us „Northern lads“ 🙂

    Having wives or partners in the group would definitely add a totally different dynamic to the interactions with „strangers“, but that’s human nature for you, and women can be jealous creatures at times 😉

  2. 😉 zu schön die Kommentare und die Lektion, ja die können wir uns immer wieder mal hinter die Ohren schreiben. Kenne das Gefühl vom hässlichen Entlein und so…

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