Ohne Leuchtturm allein im grossen stürmischen Meer

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag werde ich wohl nicht so schnell wieder vergessen. Ich verbrachte sie nämlich zitternd auf dem Badezimmerboden, zugedeckt mit einem Badetuch, von Zeit zu Zeit die Toilettenschüssel umarmend. Welcher extrem fiese Käfer mir da über den Weg gelaufen ist, kann ich nicht genau sagen; so gebe ich einfach einmal dem Wasser die Schuld. Das Wasser aus den Brunnen hier sei sehr gesund. Wie ich aber feststellen musste, und wie mir im Nachhinein auch gesagt wurde, ist jenes aus den Hahnen in den Häusern nicht immer so top. Lektion also gelernt: Brunnen ja, Wasserhahn nein! «Sieh es positiv an, jetzt hast du mal wieder dein ganzen Gedärme geleert», meint die Frau in der Bar. Ja, wo sie recht hat hat sie recht. Und ich wunderte mich ja selber, wieviel da zum Vorschein kam. Die offizielle Medikation (gerne auch mal auf dem vom Spital ausgestellten Rezeptzettel) gegen den allseits bekannten «Bubion-Käfer»: Aquarius – die Spanische Limonade. Ich half aber zur Sicherheit noch mit meinen homöopathischen Mittelchen nach und konnte einen Tag später schon wieder an den Trails schaufeln und zwei Tage später wieder mit Malaga-Mike durch die Gegend radeln.

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Die Nacht jedoch hat nicht nur physisch mein Inneres nach Aussen gekehrt, sondern auch psychisch. Das letzte Mal, dass es mir so schlecht ging, sass ich in Zernez auf dem Badezimmerboden. Nach einigen Stunden hatte mich Christian genug leiden sehen und schleppte mich, trotz meinem heftigen Protest, zuerst zum örtlichen Doktor und brachte mich dann in einer Nacht und Nebelaktion ins Spital. In der Nacht vom Mittwoch aber streichelte niemand sanft meinen Rücken als ich am Boden lag, niemand fragte nach, niemand war da. Und es wurde mir wieder bewusst, dass ich mir zwar noch so sehr einreden kann, dass die Welt schön und toll ist, wenn ich unabhängig und frei bin – ich bin jedoch einfach nicht der Typ der gerne auf sich selbst gestellt ist. Es kotzt mich im wahrsten Sinn des Wortes einfach nur an.

 

Mein Leben muss Wellen werfen, ich mag Stürme. Eine laue Brise und flaches Wasser, da wird es mir ziemlich schnell langweilig. Wohnungswechsel, Ortswechsel, Jobwechsel, immer irgendwo auf Achse… zu lange das Gleiche, macht mich nervös. Bei den ganzen Stürmen, in die ich mich wie gesagt immer wieder stürze, brauche ich aber einen ruhigen Hafen, um zur Ruhe zu kommen. Und dieser Hafen war die letzten 14 Jahre meine Beziehung. Zuerst mit Roman, dann mit Christian. Nun hat der Sturm aber meinen Hafen niedergeschmettert und ich schwimme. Nicht das ich eine schlechte Schwimmerin wäre… das Plantschen ohne Aussicht auf ein weit entferntes Signal eines Leuchtturmes macht nur sehr müde.

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Letzte Nacht habe ich das erste Mal seit unserer Trennung von Christian geträumt. Ich fühlte mich wohl und das Aufwachen machte mich traurig. Doch Träumen nachzuhängen nützt nichts, es ändert nichts an der Realität. Wer träumt verpennt das Leben. Also schnappte ich, nach einer schönen Tour mit Malaga-Mike zum «Wasp-Gang-Mountain», mein Bike für eine Ego-Extrarunde gefolgt von einer Yoga-Session um den Seelengarten vom Unkraut zu befreien.

 

Und so kümmere ich mich um mein Gärtchen und pedaliere mit meinem Rettungsboot namens Fahrrad über die sieben Berge, bis mir irgendwo auf dem Weg ein Drache begegnet, der aus seiner Höhle kriecht und mein ruhiger Hafen werden möchte…

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