Down to the river…

Ich hätte wohl noch Stunden lang da sitzen können im kühlen Nass… Die Strömung, die sanft an meinen Beinen zieht, die Arme sachte von den Wellen ein Stück mittragen lassen…

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Ja, es ist Sommer geworden hier in Bubiòn. Als ich vor zwei Wochen noch hier an meinem Plätzchen am Fluss sass, war noch nicht im Geringsten an ein Badevergnügen zu denken. Heute jedoch packte ich voller Zuversicht mein Bikini ein, bevor ich mich entlang von Kirsch-, Mandel-, Wallnuss- und Feigenbäumen hinunter zu meinem Plätzchen machte. Auf dem Weg dorthin schlug ich mir den Bauch mit den süssen Kirschen voll, die ich fort zu am Wegrand pflückte und sprang, am Fluss angekommen, zur Begrüssung erst einmal von Stein zu Stein. So wie ich das in meiner Kindheit an meinem Fluss gemacht habe.

Ein kleiner Probedipp meines rechte Zehs verriet mir: das Schmelzwasser der Sierra Nevada ist nun passé. Herrlich diese Erfrischung, diese Ruhe – nur das beruhigende Gurgeln des Wassers. Als Kind, als Teenager und auch jetzt; bei meinem Flussplätzchen zu sitzen gab und gibt mir Trost. Bei mein Flussplätzchen ist die Welt einfach in Ordnung.

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Wie gesagt, ich hätte Stunden lang sitzenbleiben können. Aber es ist schliesslich schon sechs Uhr abends und ich habe nach einem zirka dreiviertelstündigen Aufstieg noch ein Date. Nein, nicht männlicher Natur… Nein nein, ein Date mit einem Stück Käsekuchen… Den habe ich verdient, denn heute beginnt ein neues Kapitel: Christian hat gestern die Schlüssel unsere alten Wohnung abgegeben. Nun ist alles passé, nun ist das letzte Stück meines alten Lebens definitiv Geschichte. Deswegen: Käsekuchen mit Kirschtopping!

 

Nicht dass ich heute einen stark sportiven Tag hatte und die Extraportion Kohlenhydrate unbedingt brauche. Nein, seit längerem hatte ich heute einmal einen velofreien Tag. Ich war mit Janet unterwegs durch die Täler der Alpujarra. Janet ist eine faszinierende Frau. Auf unserer vierstündigen Fahrt durch die Alpujarra haben wir über Gott und die Welt geplaudert, so wie wir das auch abends in der Bar tun, wenn wir uns treffen. Die Frau hat viel erlebt, oder besser gesagt überlebt. Drogen, Männer, ein Winter im Camper ohne Strom, mit einer selbstgebastelten Toilette bei der sie, einen Regenschirm haltend, ihr Geschäft knietief im Schnee verrichtete. Die gebürtige Engländerin lebt heute noch von der Hand in den Mund. Aber sie ist glücklich. Und sie hat viel zu erzählen. Sie hat sich nie um eine Karriere gekümmert, wechselte alle ein bis zwei Jahre ihren Wohnsitz, Freund, Arbeitsplatz und kam über Umwege vor zehn Jahren nach Spanien. Heute arbeitet sie für Dallas – einer weiteren tollen, starken Frau – auf deren Pferderanch. Janet ist wie gesagt keine Karrierefrau, nein – aber dafür eine Frau mit einem Leben voller Geschichten. Und das ist so viel mehr wert als Geld und Erfolg. Ich möchte auch so viele Geschichten zu erzählen haben wenn ich in meinen 50er bin. Denn es sind die Geschichten, die das Leben ausmachen. Die Geschichten, die wir unseren Grosskindern erzählen können und die an unserem Lebensende entscheiden, ob wir gelebt haben oder nicht.

Geschichten wie: «Weisst du, mein Kleiner… Damals, am Tag als mein altes sicheres Leben in der Schweiz zu Ende ging, pflückte ich in der Spanischen Pampa Kirschen vom Baum, badete am Fusse der Sierra Nevada und danach habe ich mir ein Stück Käsekuchen gegönnt…»

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An der Fortsetzung arbeite ich…

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