Selbst- und Fremdversorgung, die der Seele gut tut

 

Heute fühlte ich mich nach meiner schönen Ego-Tour und etwas Bikepflege etwas hungrig. Und was tut man in Bubiòn, wenn man mittags etwas hungrig ist? Genau, man sucht sich einen Kirschbaum und bedient sich, bis man einen geblähten Kirschbauch hat.

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Hmmmmmmm, nächsten Monat tut man selbiges dann an den Feigenbäumen, Ende September isst man sich dann an den Mandelbäumen satt und so weiter und so fort, denn irgendwas ist immer reif: Avocados, Orangen, Walnüsse… Aber momentan ist wie gesagt Kirschzeit, und so stand ich heute eine halbe Stunde, wie die Pferde, essend am Zaun – noch eine Hand voll, nur noch eine… aaah, ein paar gehen noch…

So lässt sich’s leben. Hier kann man sich noch Selbstversorgen. Nicht wie an kalten Orten, wo nichts wächst und wo man verhungern würde, gäbe es keinen Coop oder Aldi. Ein kleines Haus mit Garten, Obstbäumen, ein paar Hunden, Pferde… ja, das wäre ziemlich gemütlich.

Genug geträumt, wenden wir uns besser wieder der Gegenwart resp. dem kürzlich Vergangenen zu. Es fühlte sich seltsamerweise anders an, als ich vorgestern auf dem bereits hoch gerühmten Trail namens «Silk Panties» unterwegs war. Ja irgendetwas war nicht wie sonst. Mein Bike hatte sich über Nacht verändert; irgendwie grösser, haariger, unglaublich stark bergauf, etwas langsamer bergab und in den technischen Felspassagen liess die Dämpfung zu wünschen übrig, so dass ich absteigen und es stossen, respektive ziehen musste…

Ja, vor zwei Tagen habe ich mein Alu-Rösschen gegen ein richtiges getauscht. Ich begleitete Jeannette auf zwei Ausritten.

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Tat das gut mal wieder auf einem Pferd zu sitzen, mit ihm durch die Gegend zu ziehen, sie anschliessend zu füttern und den Stall auszumisten. Ich fühlte mich wieder zurückgesetzt in die Zeiten als Kind, in denen ich meine Ferien auf dem Reiterhof verbracht habe. Schön war das!

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Das Glück der Erde liegt ja sprichwörtlich auf dem Rücken der Pferde. Auf dem Rücken meines Alu-Rösschen lag es die letzten zwei Tage jedenfalls nicht. Zwischen den zwei Ausritten wollte ich nämlich noch eine kleine Abfahrt auf Alu-Pferdchen machen (nicht dass der Arme aufgrund meines «Seitensprunges» noch eifersüchtig wird). Dieser Plan endete aber jäh mit einem platten Reifen. So dass ich es von ziemlich weit oben ins Dorf runterstossen durfte. Neuer Tag neues Glück dachte ich mir gestern. Denn am Morgen hatte das Päckchen mit den Ersatzteilen endlich den Weg nach Bubiòn gefunden. Doch die selbstklebenden Reparatur-Flicken, die ich bestellt habe, halten nicht das was sie versprechen und so endete mein Trip bevor er begann. Danke Universum, was willst du mir damit wieder sagen? Glaub nicht alles was in den Produktbewertungen steht, denn es könnte gelogen sein?

Da mich die Fahrradwelt die letzten Tage also nicht wollte, wendete ich mich halt etwas der Tierwelt zu. So habe ich mich neben meiner Pferdepflege auch um einen streunenden Hund gekümmert. Strassenkatzen hat es hier einige, Hunde jedoch nicht. Der arme Kerl tauchte vorgestern das erste Mal im Dorf auf, mittelgross, schwarz weiss – ein schönes Tier, aber völlig abgemagert.

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Es brach mir fast das Herz ein Tier in solch einem Zustand zu sehen. Er lag im Schatten eines Hauses, nebenan sassen die Menschen im Restaurant und schlugen sich die bereits viel zu fetten Bäuche voll. Dieses arme Geschöpf ist kurz vor dem Hungertod und niemand kümmerte es. Ist ja nur ein Hund… von denen gibt es ja so viele…

Da der Supermarkt Siesta hatte plünderte ich meinen Kühlschrank. So lief ich mit einem Teller voll Yoghurt-Bananen-Zwieback-Mus quer durch das Dorf zurück zu dem armen Kerl. Es schmeckte ihm. Heute bekam er eine ganze Dose Hundefutter. Luki, der Fahrer, der ebenfalls ein grosser Tiernarr ist, meinte, dass es eine Tragödie sei, aber dass ich nun mal nicht jeden Streuner retten kann. Das mag wohl stimmen. Aber ich kann dem armen Ding, solange es hier in der Gegend bleibt, täglich etwas Futter geben. Das wird logistisch wahrscheinlich etwas eine Herausforderung werden. Hund sichten, Futter holen, Hund erneut aufspüren, Hund füttern…

 

Ja, ich kann die Welt nicht retten – den Streuner ziemlich sicher auch nicht. Aber ich kann ihm etwas Gutes tun. Und das macht uns beide für einen kurzen Moment ganz fest glücklich.

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