Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust

Den tätowierten Ellenbogen lässig aus dem Fenster haltend, Sonnenbrille auf, aus den Soundanlage meines geliehenen, schwarzen Audi mit den schwarzen Ledersitzen tönt böse, laute Brüllmusik – Post Hardcore – wurde ich kürzlich von einem Kenner der Brüllmusik aufgeklärt. Ich bin unheimlich cool. Würd ich mich nicht kennen, würd ich mich selber nicht ansprechen sooooooo cool bin ich momentan unterwegs. Einigen könnten Zweifel aufkommen, ob Madame Cool auch wirklich die Selbe ist, die vor zwei Wochen im knatternden VW-Bus durch die hippieske Gegend der Alpujarra gedümpelt ist und dabei laut Bob Marley-Lieder mitgesungen hat. Es ist unglaublich, wie sehr die Musik die Seelenlage spiegelt.

In meiner Fahrrad-Schmetterling-Bubbleblasen-Welt in Bubiòn reiste ich musikalisch wieder zurück in meine Teenager-Zeiten. In jene Zeiten, als ich gerade das Cannabis und seine Effekte entdeckt hatte und sämtliche Besitztümer (und einige fremde Besitztümer ebenfalls) mit Hanfblätter verziert hatte. Da war Bob Marley natürlich stilgetreu einer unser Götter. Und da meine zarte Seele noch nicht so abgestumpft war, diente Rage against the machine als Ausgleich, wenn ich mal etwas härteres auf die Ohren brauchte. Und genau diese Musik entdeckte ich in meiner Bubbleblasen-Welt in Spanien wieder. Meine Brüllmusik, die ich in meinem alten Leben hörte, ertrug ich dort nicht.

Zurück hier in der realen Welt hat mich meine Geschichte, vor der ich nach Spanien geflüchtet bin, mit voller Breitseite wieder erwischt – das Verarbeiten des Ende meiner achtjährigen Beziehung ist da nur eines der Probleme.

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Fertig also mit Bob Marley, Gentleman und Rage against the machine – da muss wieder härteres her. Und je mehr mich die reale Welt wieder zu schlucken beginnt, desto mehr verkriech ich mich hinter der harten, coolen Schale. Das kleine, lebensfrohe aber viel zu schnell verletzliche Mädchen wird tief im Inneren eingeschlossen. Es wird lediglich auf dem Fahrrad herausgelassen. Denn da tut ihm die reale Welt nicht weh, da ist es wieder in ihrer Bubbleblasen-Welt.

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Und so cruise ich halt mit «meinem» Audi als Madame Cool von Bikepark zu Bikepark und poste wacker Poser-Selfies auf Facebook.

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Und wenn ich dann am 2. September ins Flugzeug steige, lasse ich die harte Schale in der realen Welt zurück und hüpfe, in Malaga angekommen, als Alice im Wonderland wieder zum Terminal raus.

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