Erwachsenwerden ist optional…

Die Tropfen des Regens patschen auf die Haut meiner Oberschenkel, als ich im nächtlichen Sommergewitter mit dem Fahrrad vom Abendessen bei der Familie meiner besten Freundin zu meiner Grossmutter nach Hause fahre. Ich fühle mich 17 Jahre zurückversetzt. In die Zeit wo noch alles in Ordnung war. Wo ich praktisch jeden Tag mit dem Fahrrad diese Strecke hin und her geflitzt bin – im Regen, im Sonnenschein oder unter den funkelnden Sternen. In die Zeit wo Julia und ich praktisch jeden Tag miteinander verbracht haben, wo wir lustige Schweizerreisen gemacht haben und viel Blödsinn fabrizierten.

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Viel hat sich in unseren Köpfen nicht verändert. Ausser dass wir die Ausflüge heute mit dem Auto machen und dass wir den Blödsinn, den wir anstellen, nicht nur noch vor unseren Erziehungsberechtigten verheimlichen müssen.

Trotzdem, wenn wir zusammen unterwegs sind, sind Spielplätze immer noch nicht sicher vor uns, wir schwimmen immer noch in Seen auch wenn uns das adäquate Badekleid fehlt und wir stopfen uns immer noch pausenlos mit Süssigkeiten voll – es kümmert uns nach wie vor immer noch nicht, wenn Passanten uns verwundert nachschauen, denn wenn wir zusammen sind, sind wir nach wie vor gemeinsam am pubertieren. Älter werden ist obligatorisch, Erwachsenwerden jedoch optional!

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Und doch sind wir nicht mehr 13. Auch wenn mir nachgesagt wird, dass ich ein 10-jähriger Junge gefangen im Körper einer 30-jährigen bin, es ist viel passiert in der Zwischenzeit, das mich geprägt und verändert hat. Ich bin überlegter geworden. Und ich habe in den 17 vergangenen Jahren gelernt, mich zu mögen. Heue kann ich die Zeit auch alleine geniessen und ich muss nicht mehr dauernd jemanden um mich herum haben. So habe ich dieses Wochenende einen Ego-Fahrradtrip gemacht: Monte Tamaro, Livigno und Lenzerheide. Nur ich, mit mir und meinem Fahrrad – das mich schlussendlich auch noch verlassen hat… Seis drum, ich habs genossen. Es war herrlich, wir haben uns alle tiptop verstanden… 🙂

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In der Zwischenzeit jedoch bin ich Menschen gegenüber auch misstrauischer geworden. So schnell wie früher lasse ich niemanden mehr an mich heran. Wahre Freunde zu finden geht nicht mehr so einfach, wie damals, als wir 13 waren. Freunde, bei denen man sich richtig wohl fühlt. Freunde, die man ein halbes Jahr nicht mehr sieht und es trotzdem so ist, als hätte man sich gestern erst verabschiedet. Wahre Freunde, wie Julia, mit denen die Zeit einfach zeitlos ist.

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