Gschpunna!!!

Manche Sachen sind für uns Bergler einfach gegeben. Bevor wir richtig laufen können, fahren wir Ski, Schlittschuhlaufen gehört ebenfalls zu den Basics. Nicht im Traum würde es uns in den Sinn kommen, dass jemand mit der Handhabung eines Skiliftes nicht vertraut wäre. Aber nein, es gibt tatsächlich Jungfrauen. Jungfrauen, die im Erwachsenenalter noch nie auf Skis standen oder noch nie einen Sessellift benutzt haben. Süss, nicht? Und genau zwei solche Exemplare durfte ich «entjungfern».

Direkt am ersten Tag nach meiner Ankunft in Bubiòn durfte ich die Gruppe (die sich in den letzten Tagen zu meiner Lieblingsgruppe ever entwickelt hat) nämlich auf die Veletta-Tour führen. Was für ein Start der zweiten Enduro-Saison: Die Tour, welche auf den Veletta auf 3400müM führt und dann in 44 Kilometer durch verschiedene Vegetationsformen auf knapp 1000müM endet, gehört wirklich zu meinen Lieblingstagen. Auf einem der höchsten Gipfeln Spaniens zu stehen und auf die endlosen Flächen darunter zu sehen raubt mir jedes Mal den Atem.

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Da wir aber nur die letzten 500 und nicht die ganzen 3400 Meter mit den Fahrrad erledigen wollen, bedienen wir uns jeweils den Transportanlagen des einzigen Skigebietes der Sierra Nevada. Die Reise beinhaltet jeweils eine Fahrt in Sechsergondeln, bei welcher ich das vorletzte Mal aufgrund des starken Seitenwindes nahezu einen mentalen Breakdown erlitten hatte – jaaaa oben angekommen knickten meine Beine ein und ich musste mich kurz hinsetzen und etwas weinen bevor ich dann Vollgas auf dem Fahrrad den Berg runterdonnern konnte. Der zweite Teil besteht dann aus einem «alexandra-freundlichen» Sechser-Sessellift.

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Ich stand also da mit der Gruppe, schickte jeden einzeln auf die Sessel und dachte mir nichts böses. Als ich mich am Ende mit dem unglaublich gutaussehenden Nick auf den letzten Sessel schwang, wunderten wir uns noch, warum Gavin, welcher auf dem Sessel vor uns Platz nahm, den Sicherheitsbügel nicht schloss… Vielleicht brauchte er eine Extraportion Adrenalin – Hardcore-Sessel-Riding sozusagen. Nach ein paar Minuten zog er dann jedoch den Bügel runter.

Erst beim abendlichen Konsumieren alkoholischer Erfrischungsgetränke erfuhren wir dann die ganze Wahrheit: Gavin und Dave hatten noch nie zuvor eine Liftanlage genutzt – sie wussten schlichtweg nicht wie man sich darauf zu verhalten hatte. Während Gavin sich brav hinsetzte, relativ gelassen blieb und dem Liftmann freundlich zunickte als dieser im auf spanisch wahrscheinlich erklärt hatte, dass er denn den Bügel zu schliessen hatte, fand er dies nach erstmaligen Erkunden der Landschaft und des Gerätes, auf dem er sich durch die Luft bewegte, relativ zügig selbst heraus. Nicht so Dave – der arme Rettungssanitäter starb in diesen zehn Minuten mindestens Tausend Tode. So gerne hätte er Fotos von seiner ersten Fahrt auf dem Sessellift gemacht, doch da er im Gegensatz zu Gavin den rettenden Sicherheitsbügel nicht entdeckt hatte, (und der ignorante Guide ihn auch nicht darauf hingewiesen hatte) klammerte er sich die ganze Fahrt über verzweifelt an dem seitlichen Rohr des Sessels fest. Niemals hätte er sich getraut, das Telefon aus seinem Rucksack zu nehmen, aus Angst, das Telefon, der Rucksack oder gar er selbst könnte herunterfallen.

Irgendwie kann ich mit dem armen Dave mitfühlen, denn in von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Albträumen sitze ich auf einem Sessellift, der viel zu schnell fährt und keinen Sicherheitsbügel hat. Dort muss ich mich dann auch immer, wie Dave, krampfhaft festklammern. Und ich bin mir sicher, für ihn hat sich dieser Lift sicher auch in Lichtgeschwindigkeit fortbewegt.

Völlig unverständlich für den armen Briten, wie die verrückten Bergler sich auf solchen Anlagen getrauen. Oder wie die Bündner Steinböcke Gian und Giachem so schön sagen würden: Gschpunna!

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