Wöchentliche Weihnachten in Bubiòn

Die zweite Hälfte der Enduro-Saison ist definitiv anders als die erste. Während Juni und Juli äusserst ruhig verliefen, steppt seit September der Bär in Bubiòn; zuerst die tollen zwei Wochen mit den durchaus talentierten Londoner-Boys (bezogen auf ihre Bike- und nicht Sesselbahn-Skills), gefolgt von der epischen Mischung aus ehemaligen Army-Guys und Seefahrern aus dem Norden Englands und den eher reicheren Gentlemen aus Bath.

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Dachten wir doch, dass nach den feierwütigen Londoner-Boys nun etwas Ruhe in Bubiòn einkehren würde – nein – die Northeners mit den zwei Herren aus Bath werden den Einheimischen und uns wohl lange in Erinnerung bleiben. Keiner kann höchst betrunken so schöne Gitarren-Sessions bringen wie Mickey aus Bath, der einer der richtigen UK-Punks war und danach mit Irokese zur Royal Air Force ging und dort auf asoziale Kumpanen pinkelte. Und keiner kann so viele und herrlich formulierte Fragen stellen wie der 63-jährige Kunst-Lehrer mit dem herrlich Britischen Akzent. Holy Moses, ich hoffe, dass ich in dem Alter auch noch so flott auf dem Bike unterwegs sein kann wie er. Und die Northeners – ja die bleiben eine Story für sich. Ay, man! Nur so viel zu ihnen: Fordere sie nie zu einem Drink-Duell heraus, wie unser kleine Mike lernen musste. Und wenn du Tränen lachen willst, dann spiele in der Bar «Mama» von Queen – und plötzlich werden aus kahlköpfigen Mukimänner, deren Sprache man nur erahnen kann, unglaublich passionierte Troubadouren.

Mountainbiken verbindet. Würden sich Personen wie diese auf der Strasse treffen, würden sie wahrscheinlich den Blick senken und möglichst schnell passieren. Aber nein, hier verbringen Menschen eine oder zwei Wochen zusammen, lachen, trinken, essen, geniessen, leiden und teilen ihre Passion – egal aus welchen Schichten der Gesellschaft oder aus welchen Ländern sie stammen. Alles was zählt ist gemeinsam eine tolle Zeit auf dem Bike zu verbringen. Verschiedene Kulturen treffen aufeinander, man lernt von- und miteinander und ist am Ende etwas traurig, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Neue Freundschaften entstehen und das Netz der Bekanntschaften wird weitergesponnen und vergrössert. Man verspricht sich einander zu besuchen und umarmt sich herzlich zu Abschied.

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Früher waren Abschiede für mich immer die grösste Qual. Als Kind habe ich geweint, als ich in die Ferien zu meiner Tante fuhr und mich von meinen Grosseltern verabschieden musste. Und dann habe ich am Ende der Ferien wieder geweint, als ich der Tante «Tschüss» sagen musste. Und hier muss ich jede Woche tollen Leuten Adieu sagen. Nein, ich weine nicht mehr… 🙂 Denn jeder Abschied ist ein Anfang. Und auch wenn eine tolle Zeit mit einer Gruppe vorbei geht, jede Woche fährt der Van mit neuen Leuten in Bubiòn ein. Ein bisschen wie Weihnachten – jede Woche erhalten wir Geschenkpäckchen die wir «auspacken» dürfen. Manchmal sind vielleicht ein paar gestrickte Socken drin, die man getrost zur Seite legen kann. Meist aber entpuppen sich die Päckchen, wenn auch nicht immer ganz auf den ersten Blick erkennbar, als unglaublich nette Überraschungen – zumindest in den letzten drei Wochen…

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