Wenn Frodo Wurfübungen macht…

Was ist die dümmste Frage, die bei Vorstellungsgesprächen jedes Mal gestellt wird? Ja, es ist die Frage nach den Stärken und Schwächen. Wie viel darf und soll man dort von sich preisgeben ohne sich selber einen Strick zu winden. Wie auch immer, ich habe seit gestern die perfekte Antwort: Ich bin zielgerichtet und kann nicht werfen. Ich werde mich jetzt hüten, diesen Satz allzu sehr psychologisch zu analysieren, sondern diesen lediglich auf Geschehnisse des letzten Tages stützen.

Es war ein herrlicher aber strenger Tag – mit meiner Gruppe von Ir(r)en bezwang ich wohl das letzte Mal in diesem Jahr den Veleta. Es war noch dunkel als wir unsere Reise startete.

IMG_2065

Ich kam mir vor wie Frodo, der die Gefährten des Ringes über denn Pass von Cahadras führte. Aber im Gegensatz zu Frodo und Gandalf wurden wir vom Berg nicht besiegt und mussten nach Moria fliehen, nein, wir kämpften uns durch Nebel, Kälte, Wind und Nieseldings und erreichten schliesslich den Gipfel. Sicht? Nix – Whiteout – aber wir waren oben! Nach dem obligatorischen Gipfelselfie gings dann 2500 Meter bergab wo uns herrlich angenehme Temperaturen und die spanische Sonne erwarteten.

IMG_2087 IMG_2077 IMG_2075 IMG_2074 IMG_2071

Die ganze Reise zurück nach Hobbiton, äh, Bubiòn, war dann doch etwas ermüdend und bei der abschliessenden Bierrunde im heimischen Lokal liessen wir den Tag nochmal Revue passieren. Die zweite Gruppe (die nur einen normalen Tag auf normalen Wegen hinter sich hatte – Schwächlinge) stiess auch noch dazu und es wurde eine müde, aber dafür umso lustigere Gesellschaft. Und da passierte es. Ich repetiere nochmals meine Einstiegsworte dieses Blogs: Zielgerichtet und kann nicht werfen.

Wir sitzen also an den zusammengeschobenen Tischen, die voll sind mit voll sind mit Tapas (in diesem Fall russischer Salat) und etlichen Bierkrügen. Zwecks auf unserer Bergtour nicht dem Kältetot zu erliegen, hatte ich mir am Abend zuvor von meiner Kollegin eine wirklich wind- und wasserdichte Jacke ausgeliehen, die ich ihr in diesem Moment zurückgeben wollte. Vis-a-vis von mir sitzend war Amy bereits aufgestanden um sie entgegen zu nehmen. «Nein nein, setz dich hin, ich werfe sie, ich kann das», entgegnete ich und strotzte vor Selbstvertrauen in meine Wurfkünste. «Deine Jacke wird voller Bier und russischem Salat sein», scherzte einer, «sämtliche Salate und Biere werden am Boden liegen», meinte ein anderer, «die Jacke wird sich in der Luft öffnen und wie ein Fallschirm segeln und alles bedecken», schätzte ein Weiterer meine Wurfkenntnisse ein. Nichts von dem passierte. Ich also, das Ziel (Amy) anvisierend, holte aus und warf das Objekt (die Jacke) nicht einfach locker über den Tisch sondern schmetterte dieses eher wie ein Handballer den Ball in Richtung Goal. Und anstatt Amys Hände traf mein Wurfobjekt einen einzigen Bierkrug, der sauber vom Tisch gefegt wurde und auf dem Boden in tausend Stücke zerbarst.

Wir alle hatten Bauchschmerzen vor Lachen. Sogar eine Stunde später, als ich bereits zu Hause war musste ich unter der Dusche über meine Tollpatschigkeit laut lachen. Wobei, tollpatschig war es nicht – wie angenommen, hätte ich den ganzen Tisch abräumen oder die Jacke in Bier und Salat tränken können – hab ich aber nicht. Denn zielgerichtet wie ich bin, habe ich lediglich ein Glas getroffen und die Jacke blieb sauber.

Bei der NBA muss ich mich nicht bewerben, das habe ich gestern definitiv gelernt. Aber vielleicht hätte der Zirkus Knie noch eine Stelle für mich offen: als Clown.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s