Und es lockte für kurze Zeit die Sicherheit

Es sei Zeit aufzubrechen, habe ich vor einer Woche geschrieben. Zeit, für den Vogel wieder weiterzufliegen. Und ja, aufgebrochen bin ich. Zuerst nach Malaga, wo ich ein paar Tage in der Switchbacks Villa verbrachte; in meinem neuen Nest für die nächsten paar Monate.

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So habe ich das jedenfalls gedacht. Nur wurde ich eines Besseren belehrt. Kein Platz habe es, in meinem zuvor sicher geglaubten Nest und Arbeit gebe es bis Februar ohnehin nicht wirklich, hiess es eine halbe Stunde bevor ich zum Flughafen aufbrach. Das Vögelchen flog zwitschernd durch die Luft, ignorierte, dass sich die Hauswand näherte und «pflatsch»… einmal fett die Türe vor der Nase zugeknallt! So fühlte ich mich zumindest.

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Nicht wirklich ein Dach über dem Kopf und für die nächsten paar Monate keine Arbeit in Sicht. So toll mein Vagabundenleben die letzten paar Monate auch war, es hat auch seine Schattenseiten. Aber am Boden sitzen und sich über die doofe Wand im Weg ärgern nützt dem Vogel nichts – nein schütteln, etwas rumhopsen und wieder durchstarten. Hm, aber in welche Richtung, fragte ich mich in den letzten paar Tagen. Eine Option wäre, für ein paar Monate einen richtigen Job in der Schweiz zu suchen. Etwas sicheres, das dir einen sicheren Verdienst und sicher auch ein sicheres zu Hause mit sichern würde. Ja, nachdem sich der Vogel in der freien weiten Welt den Kopf gestossen hat, überlegte er sich ernsthaft, sich für kurze Zeit sich in den sicheren Käfig, die Schweiz, zurückzuziehen.

Doch schon im Ladeanflug auf Zürich wurde ich skeptisch.

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Auf den Strassen unter uns reihte sich Auto an Auto. Welch Chaos! «Zum Glück werde ich gemütlich mit dem Zug zu meiner Grossmutter fahren», dachte ich mir noch. Von wegen gemütlich: Gedränge herrschte auf dem Perron und als der Zug einfuhr herrschten nahezu japanische Verhältnisse – Menschenmassen, die sich durch die kleine Zugtüre quetschen um noch einen der letzten Sitzplätze zu erhaschen. Höchstens einen bösen Blick erhielt das Vögelchen von den fleissigen Arbeiterbienchen – schliesslich nahm das Vögelchen mit dem grossen Rucksack ziemlich viel von ihrem wertvollen Platz weg.

Stress, Platznot, grimmige Gesichter oder ein Radioprogramm, welches behauptet, das wir alle wohl lernen müssen, unseren Alltag zu entschleunigen – ist das der Preis, den die fleissigen Arbeiterbienchen für ihren Aufenthalt im sicheren Bienenhäuschen zahlen? Nein danke, dachte ich mir. So verlockend die Idee von ein paar Monaten Sicherheit kurzfristig auch war, der Vogel muss fliegen!

Nicht genau zu wissen, wo ich in ein paar Wochen leben werde, kein wirkliches zu Hause zu haben, nicht wirklich für meine Arbeit bezahlt zu werden, mich als Mädchen in einer Männerdomäne immer wieder profilieren zu müssen – das alles ist verkraftbar.

Täglich auf meinem Bike zu sitzen, unbekannte Gegenden zu erforschen, herausfordernde Tracks zu meistern, durch die Luft zu fliegen und auch mal etwas härter landen, unvergessliche Momente mit Gleichgesinnten zu teilen – das alles ist unverzichtbar.

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