Chosen to live free

Worte reichen nicht aus, was ich in den letzten Tagen erleben durfte. Trotzdem, ich geb‘ mir Mühe die eigentlich unbeschreiblichen Erlebnisse hier zu teilen. Ein Beinbruch ist ja kein Beinbruch, dachte ich mir und so genoss ich die letzten Wochen einfach mit den Jungs auf den Trails abzuhängen, Fotos zu schiessen und durch die Wälder zu hoppeln. Eines Tages fanden wir am Fusse eines Trails einen Engländer mit seinem Van. Der Van war cool, keine Frage, aber dass dies zu meinem zu Hause, meiner wärmenden Höhle im Schneesturm und meinem maritimen Balkon werden würde, hätte ich mir zu jener Zeit nicht vorstellen können.

Die letzte Woche hier in Malaga hörte sich nicht vielversprechend an. Keine Gäste, nur ein kaltes, leeres Haus und ich auf meinen Krücken – ich will mich ja nicht beschweren, aber Spass tönt anders. So schlug ich einfach mal vor, dass der Engländer (ja er hat einen Namen – Rusty) und ich doch ein paar Tage nach Bubion fahren könnte. Ich könnte ihm ein paar Trails zeigen, shutteln. Er war begeistert und die Idee eines Mini-Roadtrips war geboren. Nur schon der Gedanke wieder zu Hause in Bubion zu sein machte mich glücklich. All die lieben Leute wieder zu sehen und wieder zurück zu sein. Und es war magisch – Maria wieder zu umarmen, Tapas zu essen, Trifasico zu trinken – einfach wieder zu Hause zu sein.

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Doch einfach auf deinem Parkplatz zu schlafen wäre etwas unepisch gewesen. Deswegen beschlossen wir, so hoch hinaus zu fahren wie möglich. Wir schlugen alle Warnungen, dass es über Nacht schneie in den Wind – Schnee.. pfff, wir sind ja schliesslich in Südspanien, kann ja nicht so dramatisch sein. Kaum oben angekommen, fielen die ersten Schneeflocken. Uuups! Und als wir am Morgen durch die Vorhänge spähten staunten wir nicht schlecht. Gut 25cm Neuschnee – keine Chance Varity (so heisst der Van) mit ihrem Hinterradantrieb den Berg runterzukriegen.

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Wir sassen fest – auf 2200 Meter. Anstatt jedoch in Panik zu verfallen kochten wir erstmals Tee, machten Spiegeleier auf Toast und Rusty schaufelte erst mal einen kleinen Trail mit zwei Kickern. Nach einer kurzen Schnee-Bike Session, einer Schneemannbauaktion und einem Lagerfeuer entschieden wir, dass wir nicht festsassen sondern uns wohl absichtlich in diese Lage versetzt haben.

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Wir wussten das Schnee kommen würde. Nun blieb uns nichts anderes übrig als zu warten, bis er wieder geschmolzen war. Drei Tage verbrachten wir dort; und keine Minute war uns langweilig. Alleine die Aussicht, der Himmel, die weiten Berge waren unbeschreiblich. Kein Moment glich dem anderen – die Wolkenformationen, welche die Berge umschmeichelten, die Sonne, die zum ersten Mal durch die Wolken schien, Musik, Gespräche… Wir waren nicht gefangen, es war pure Freiheit auf dem Dach der Welt. Wir hatten genügend Essen, Heizung, Strom… Wir hätten Wochen da oben verbringen können. Zeit existierte nicht mehr…

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Als sich aber am Abend des dritten Tages die Gelegenheit ergab ins Dorf zurückzukehren, ergriffen wir diese. In Bubion wurden wir bereits erwartet. Das halbe Dorf wusste Bescheid und empfing uns herzlich. Wieder und wieder hörten wir das Wort „loco“ – aber nein, es war nicht verrückt. Es war nur episch.

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Nach der gehörigen Portion Winterwunderland war uns dann doch aber mehr nach Wärme und so verliessen wir die Alpujarra noch in jener Nacht und fuhren nach Almeria, irgendwo an einen Strand. Es war dunkel, beinahe wären wir mitsamt Varity über ein kleines Cliff ins Meer gefahren, aber wir fanden unseren Spot. Direkt am Wasser. Nach der unglaublichen Stille auf dem Berg, wo wir die Schneeflocken fallen hören konnten, war der Klang der Wellen eine tolle Abwechslung. So verbrachten wir zwei weitere Tag am Strand, kletterten auf das Dach von Varity, badeten im Meer (ja das geht auch mit Gips), genossen die Sonnenuntergänge, die Sterne, die Wellen, fuhren mit den Bikes durch das Dorf. Wir lebten den Traum, wir mussten nichts, wir durften lediglich sein.

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Die Tage waren jedoch gezählt und der kleine Roadtrip kam zu seinem Ende, da ich über die Festtage zurück in die Schweiz fliegen werde. Am letzten Abend stand mein Entschluss jedoch fest: Meine Zeit hier in Malaga ist noch nicht zu Ende, nein, sie hat gerade erst begonnen. Ich habe Chile gecancelt. Es macht keinen Sinn mit einem noch nicht geheilten gebrochenen Bein eine solche Reise zu machen. Nein, es ist Zeit für eine andere Reise; Rusty und ich werden Varity ausführen: Spanien und Portugal entdecken bevor ich dann März, April wieder hier in Malaga als Bikeguide arbeiten werde. Ich wollte schon immer Spanien entdecken – nun hat sich die Chance ergeben. Ein Van, zwei Bikebums und vier Fahrräder: Ein Roadtrip, ein Abenteuer! Never grow up, always stay hungry for life and keep on living the dream!

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